Erster Todestag von Papst Franziskus
„Franziskus hat eine kirchliche Zeitenwende eingeleitet“
Pressemitteilung, München/Innsbruck/Rom, 21. April 2026
Wir sind Kirche erinnert am heutigen ersten Todestag mit großem Respekt und tiefer Dankbarkeit an das Wirken von Papst Franziskus. In der wohl größten Kirchenkrise seit der Reformation (Stichworte: Vatileaks, sexualisierte und spirituelle Gewalt, falsche Machtausübung) hat Papst Franziskus eine dringend notwendige kirchliche Zeitenwende eingeleitet und vorangebracht.
In den zwölf Jahren seines Pontifikats hat Papst Franziskus gegen allen Widerstand vor allem im Vatikan die römisch-katholische Kirche grundlegender verändert als es viele erwartet haben. Mit der weltweiten Beteiligung der Kirchenbasis bei Synoden und dem Stimmrecht nicht nur für Bischöfe hat Papst Franziskus eine kirchengeschichtliche Wende eingeleitet, die auf der Taufe aller Kirchenmitglieder aufbaut, langfristig wirken und hoffentlich unumkehrbar sein wird. Mit seinen vier Enzykliken, 26 Apostolischen Schreiben, unzähligen Veröffentlichungen und der Autobiografie „Hoffe“ hat Papst Franziskus ein Vermächtnis hinterlassen, das unsere große Dankbarkeit verdient.
Rückkehr zum Kurs des Konzils
Nach den langen Jahren der beharrenden, ja rückwärtsgewandten Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. von 1978 bis 2013 hat Franziskus in vielen großen und kleinen Schritten die Reformimpulse des Zweiten Vatikanischen Konzils wiederaufgenommen und weitergeführt: Er hat verkrustete Kirchenstrukturen aufgebrochen, den Klerikalismus benannt und bekämpft und ist gegen sexualisierte wie auch spirituelle Gewalt vorgegangen wie kein Papst zuvor.
Er hat Bischöfe in die Verantwortung genommen, Fortschritte in der Ökumene wie im interreligiösen Dialog vollzogen und den Kompass der kirchlichen Lehre neu ausgerichtet – weg von einer unjesuanischen sündenfixierten Sexualmoral hin zu einem ganzheitlichen Bild vom Menschen. Franziskus hat grundsätzliche Menschheitsfragen aufgegriffen, besonders der Zusammenhang zwischen sozialer Frage und Bewahrung der Schöpfung (Enzyklika „Laudoto si‘“).
Stärkung der Ortskirchen
Seit Beginn seines Pontifikates hat er versucht, die Ortskirchen zu stärken und ihre Eigenverantwortung und Selbstbestimmung zu stärken. Doch dabei sind ihm leider viel zu wenige Bischöfe gefolgt; viel zu viele haben versucht, dies zu verhindern. Trotz seiner klaren Vision für eine synodalere Kirche kamen viele Reformvorhaben nur schleppend voran. Besonders die strukturelle Erneuerung der Kirche blieb hinter den Erwartungen zurück.
In der „Frauenfrage“ hat er wichtige Schritte in Richtung Gleichberechtigung unternommen, besonders durch die Besetzung hoher vatikanischer Ämter durch Frauen und durch die stimmberechtigte Teilnahme einiger Frauen an der Bischofssynode. Doch das immer noch nachwirkende Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1994 und viele innerkirchliche Widerstände haben ihn bedauerlicherweise davon abgehalten, Weiheämter für Frauen zu ermöglichen. Aber die Debatte wird jetzt weltweit geführt.
Fortführung weltweiter Reformen
Mit dem einen Monat vor seinem Tod von ihm genehmigten vatikanischen Schreiben zur Umsetzungsphase der Weltsynode hat Papst Franziskus über seinen Tod hinaus dafür Sorge getragen, dass der von ihm eingeleitete Synodale Prozess auf den verschiedenen kirchlichen Ebenen fortgesetzt, konkrete Reformen umgesetzt und im Jahr 2028 eine weltweite Synodale Versammlung abgehalten wird. Dies ist auch eine Bestärkung für den 2019 begonnenen Synodalen Weg in Deutschland.
Es kommt auf uns alle an, auf jeden Kardinal und jeden Bischof, dass dringend anstehende Reformen in den Ortskirchen umgesetzt werden. Nur so wird es möglich sein, dass die inneren und äußeren Glaubwürdigkeitskrisen der römisch-katholischen Kirche wie klerikaler Machtmissbrauch, Frauendiskriminierung und Selbstbezogenheit langfristig wirklich überwunden werden können.
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In memoriam Papa Francesco
www.wir-sind-kirche.at/artikel/memoriam-papa-francesco
Wir sind Kirche-Webseite zu Papst Franziskus, Bischof von Rom
www.wir-sind-kirche.de/franziskus
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Papst Franziskus – Ein Jahr später
> itpol.de 21.4.2026
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Interview mit Bischof Dr. Stefan Ackermann
> swr.de 21.4.2026
Zuletzt geändert am 21.04.2026

