Magnus Lux
"Es muss möglich sein, allen faulen Kompromissen endlich das Placet zu verweigern und das Unaufgebbare unaufgebbar zu benennen."
Ich erfahre immer deutlicher, dass wir als Reformer*innen über den Tisch gezogen werden. Eine Theologie, die die „Zeichen der Zeit“ erkennt, sich der Wirklichkeit stellt und in die Zukunft weist, wird zunehmend von den Reaktionären als dem Glauben widersprechend dargestellt und als "dem Zeitgeist nachgeben" verunglimpft. Aber es stellt sich doch die Frage immer dringender: Wer widerspricht eigentlich dem wahren Glauben als Ur-vertrauen, dass Gott auf unserer Seite steht, als konsequentes Reden und Handeln entsprechend dem Wanderprediger Jesus von Nazaret, den wir doch als den Christus bekennen?
- Was sollte unserem Placet entzogen werden? Der immer deutlicher werdende Versuch, alte Strukturen zu retten, indem man auf eine neue Tiefe und Spiritualität verweist, auf eine schöne Liturgie – die es dann gar nicht mehr nötig machen, über tiefgreifende Veränderungen nachzudenken.
- Was sollte unserem Placet entzogen werden? Die Vertröstung auf die Zukunft, die ja nach Salamitaktik immer gerade so viel preisgibt, wie sich die Menschen beschwichtigen lassen, und das dann wieder zurücknimmt.
- Was sollte unserem Placet entzogen werden? Der päpstliche und bischöfliche Deckmantel, der sich über brisante Themen breitet mit dem Hinweis, wir müssten noch ausführlicher und intensiver darüber reden – und die unverfrorenen Äußerungen, dass „die sakramentale Struktur der Kirche von Gott gewollt“ ist und insofern eine Änderung der kirchlichen Strukturen gar nicht möglich ist.
- Was sollte unserem Placet entzogen werden? Alles, was sich an Pomp und Macht in der Kirche im Laufe von Jahrhunderten angesammelt hat und jetzt als unbedingt zur Kirche gehörend deklariert wird.
- Was sollte unserem Placet entzogen werden? Dass es nicht möglich sei, auf demokratischem, sprich synodalem Weg Glaubensinhalte zu ändern, die im Laufe der Jahrhunderte als Lehrformeln festgelegt worden sind, die sich aber als Leerformeln erweisen, weil sie heute niemand mehr nachvollziehen kann.
- Was muss für uns unaufgebbar sein? Unsere Überzeugung, uns an der befreienden Botschaft vom Reich Gottes zu orientieren, die der Mann aus Nazaret verkündet und gelebt hat. Die „Credo-Lücke“ (Hubertus Halbfas) muss gefüllt werden: Wir glauben „an Jesus Christus … empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, … gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben …“. Das Leben und die Lehre des Wanderpredigers Jesus ist tragendes Fundament unseres Glaubens. Lassen wir uns nicht als Neo-Arianer und damit als Häretiker abstempeln!
- Was muss für uns unaufgebbar sein? Unsere Überzeugung, dass Gottes Geistkraft mit allen Glaubenden ist, dass „der Geist weht, wo er will“: „Wenn aber jener gekommen ist, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. … Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden“ (Joh 16,13f). Der „sensus fidei fidelium – der Glaubenssinn der Glaubenden“ hat dasselbe Gewicht wie das „Lehramt“, das Papst Pius IX. usurpiert und das er mit dem Dogma der Unfehlbarkeit und des Primats sanktioniert hat. Das System Kirche darf und kann sich aber nicht zum Gegenstand des Glaubens machen! Kein Papst kann sich an die Stelle Gottes setzen. Was nicht „von dem, was mein ist“, hat in der Kirche keinen Platz.
- Was muss für uns unaufgebbar sein? Unsere Überzeugung, dass alle Brüder und Schwestern sind und niemand in der Kirche diskriminiert werden darf. Das heißt, dass alle Dienste in der Kirche grundsätzlich allen Glaubenden offenstehen. Ja, Dienste, nicht Ämter; denn der, auf den sich Kirche beruft, sagt: „Ich bin gekommen, um zu dienen“ (vgl. Mk 10,45).
- Was muss für uns unaufgebbar sein? Unsere Überzeugung, dass wir eine Ex-egese brauchen, eine Auslegung des 1. wie des 2. Testaments, des Alten wie des Neuen Testaments für die heutige Zeit, keine Eis-egese, also das Hineinlesen mit den in Jahrhunderten entwickelten dogmatischen Aussagen im Hinterkopf.
- Was muss für uns unaufgebbar sein? Unsere Überzeugung, dass eine fundamentalistische Auslegung in die Irre führt, also eine Auslegung, die nicht wahrhaben will, dass wir die Lebensumstände der Menschen damals für die Darlegung des Glaubens miteinbeziehen müssen; dass wir nicht allein vom niedergeschriebenen Satz, also werkimmanent, ausgehen dürfen, sondern fragen müssen, was die Menschen damals gemeint haben. Diese Erkenntnis darf uns nicht nur formal leiten, sondern wir müssen das Gemeinte in unsere Zeit übertragen und vorbildhaft leben.
- Was muss für uns unaufgebbar sein? Unsere Überzeugung, dass die Menschenrechte für alle gültig sind, dass die kirchliche Soziallehre mit ihren Prinzipien „Personalität, Subsidiarität, Solidarität, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit“ auch in der Kirche selbst verwirklicht werden müssen.
- Was muss für uns unaufgebbar sein? Unsere Überzeugung, dass neue profan-wissenschaftliche Erkenntnisse Eingang in die Bewertung festgefügten Ansichten über den Menschen finden müssen und nicht unter dem Vorwand, sie passten nicht zum christlichen Menschenbild, vorschnell zurückgewiesen werden dürfen.
Sicher lassen sich noch viel mehr Aussagen finden, sicher sollten die Aussagen mit Beispielen belegt werden; aber das würde zu weit führen.
Magnus Lux 5.2.2026
Zuletzt geändert am 11.02.2026

