10. Februar 2003
Umfrage: Protestanten und Katholiken für gemeinsames Abendmahl
Hamburg (epd). Eine große Mehrheit der Katholiken und der Protestanten befürwortet einer Umfrage zufolge ein gemeinsames Abendmahl. Bei der Befragung im Auftrag des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel" sprachen sich 88 Prozent der Katholiken und 86 Prozent der evangelischen Christen für ein gemeinsames Sakrament aus. Sechs Prozent der Protestanten und fünf Prozent der Katholiken lehnten dies ab, wie die in der jüngsten „Spiegel"-Ausgabe veröffentlichte Umfrage des Instituts NFO Infratest ergab.
Während des Ökumenischen Kirchentags Ende Mai in Berlin wollen die katholischen Reformgruppen „Kirche von unten" und „Wir sind Kirche" gemeinsam mit der evangelischen Gethsemane-Gemeinde zwei ökumenische Gottesdienste feiern, in denen gegenseitige Gastfreundschaft beim Abendmahl praktiziert wird. Dem „Spiegel"-Bericht zufolge erwägt Papst Johannes Paul II., den Katholiken in einer Enzyklika vor dem Kirchentag die Entgegennahme des Abendmahls von protestantischen Pfarrern zu verbieten.
Das katholische Lehramt untersagt katholischen Christen grundsätzlich die Teilnahme am evangelischen Abendmahl. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte im Januar ihre Einladung zum Abendmahl an katholische Christen bekräftigt. Der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock hatte zugleich an die evangelischen Christen appelliert, die ablehnende Haltung der katholischen Kirche zu respektieren.
11. Februar 2003
Zur der vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel" veröffentlichten Umfrage zum Thema Eucharistie und Abendmahl nehmen die Präsidentin und der Präsident des ÖKT, Dr. Elisabeth Raiser und Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, wie folgt Stellung:
Berlin, 11. Februar 2003 - Als im Jahr 1996 der Deutsche Evangelischen Kirchentag (DEKT) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) beschlossen, miteinander den Ökumenischen Kirchentag zu veranstalten, brachten die Präsidien beider Organisationen „ihren Wunsch zum Ausdruck, dass in Zukunft bei gemeinsamen Vorhaben auch die Abendmahlsgemeinschaft möglich wird". Im Februar 2000 unterstrichen sie in einer gemeinsamen Erklärung, für sie sei „der Ökumenische Kirchentag mit der Hoffnung auf Fortschritte beim gemeinsamen Abendmahl untrennbar verbunden".
Bis zum Jahr des Ökumenischen Kirchentages hat sich diese Hoffnung leider nicht erfüllt. Die Veranstalter, DEKT und ZdK, halten weiterhin an ihr fest. Unabhängig vom erreichten Stand des ökumenisch Möglichen ist die Grundlage der Zusammenarbeit beim Ökumenischen Kirchentag aber der Respekt vor dem Glauben, den theologischen Lehrauffassungen und den geltenden Regeln der jeweils anderen Kirche. Dies soll nach unserem Wunsch während des ÖKT in Berlin von allen Seiten beachtet werden.
Die Fragestellung der im „Spiegel" veröffentlichten Umfrage ist nach unserer Auffassung zu allgemein und unklar. Sie fragt nicht nach den Gründen der bestehenden Unterschiede bei Eucharistie und Abendmahl. Auf dem Ökumenischen Kirchentag wird in einem großen Themenbereich über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutiert und debattiert werden, auch um nach Wegen zur Überwindung der theologischen Unterschiede zu suchen. Dies wird für die ökumenische Bewegung und den ökumenischen Fortschritt ein Gewinn sein.
Prof. Dr. Hans Joachim Meyer (Präsident)
Dr. Elisabeth Raiser (Präsidentin)
14. Februar 2003
Gemeinde will keine "provokative Aktionen" zum Abendmahl
Berlin, (KNA). Bei den außerhalb des offiziellen Programms des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) in Berlin geplanten ökumenischen Abendmahlsfeiern soll es „keine demonstrativen oder gar provokativen Aktionen geben". Dies betonten die evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord, der Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte und die Kirchenleitung in Berlin-Brandenburg in einer am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. An der Entscheidung, gemeinsam mit den katholischen Initiativen „Kirche von unten" und „Wir sind Kirche" zwei Feiern mit „Einladung an Christen anderer Konfessionen" zur Kommunion auszusprechen, hält die Gemeinde aber fest.
Laut Erklärung verständigten sich Gemeinde sowie Kirchenkreis und –leitung „trotz nach wie vor unterschiedlicher Bewertung" auf sechs Punkte. Danach soll es keine „Interzelebration" geben, also Abendmahls- oder Eucharistiefeiern, die ein evangelischer Pfarrer und ein katholischer Priester gemeinsam leiten. Stattdessen sollen bei einem evangelischen Abendmahlsgottesdienst und einer katholischen Eucharistiefeier Geistliche der jeweils anderen Konfession „in ökumenischem Geist mitwirken, nicht aber im Abendmahlsteil". Zur Kommunion sollen die Teilnehmer der jeweils anderen Konfession, wie zwischen den verschiedenen evangelischen Kirchen üblich, „eingeladen" werden, aber so, „dass sich kein Teilnehmer unter Druck gesetzt fühlt".
Wie aus der Erklärung hervorgeht, äußerten die Vertreter der Kirchenleitung die Bitte, auf Aktionen zu verzichten, die die Regeln der katholischen Kirche verletzten. Im Blick auf die Hoffnung, dass der ÖKT neue ökumenische Möglichkeiten für die Zukunft eröffne, sollten Schritte vermieden werden, „die im Ergebnis neue Blockaden im Miteinander zur Folge haben könnten".
14. Februar 2003
Abendmahlsstreit: Kirchenleitung akzeptiert Vorgehen der Gemeinde
Gemeinsame Erklärung beendet Konflikt auf evangelischer Seite
Berlin (epd). Der Streit um ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken beim Ökumenischen Kirchentag ist auf evangelischer Seite offenbar beigelegt. Die Leitung der Berlin-brandenburgischen Kirche habe mit der Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord eine Übereinkunft erzielt, wie „trotz nach wie vor unterschiedlicher Bewertung" das Projekt von der Gemeinde und ihren katholischen Partnern realisiert werden kann, heißt es in einer am 14. Februar in Berlin verbreiteten gemeinsamen Erklärung.
Bei den zwei, an verschiedenen Tagen geplanten ökumenischen Abendmahlsgottesdiensten im Rahmen des Ende Mai in Berlin stattfindenden Kirchentages sollen demnach bei der Eucharistiefeier die konfessionellen Trennungen beachtet werden. So soll in dem einen Gottesdienst das Abendmahl nach evangelischer Tradition gefeiert werden, in dem anderen nach katholischem Ritus. Dabei würden die Geistlichen der jeweils anderen Konfession sich nicht aktiv an der liturgischen Gestaltung beteiligen.
Dies hatten die evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord sowie die beiden reformkatholischen Initiativen „Wir sind Kirche" und „Kirche von unten" bereits bei der ersten Vorstellung des Projektes im Oktober zugesichert. Die Kirchenleitung hatte das Vorhaben damals dennoch heftig kritisiert und die „starke Erwartung" ausgesprochen, dass die zwei umstrittenen ökumenischen Abendmahlsgottesdienste "nicht so, wie bislang geplant" ablaufen.
In der nun vorgelegten Erklärung verpflichtet sich die evangelische Kirchengemeinde allerdings ausdrücklich dazu, "auf keinen Fall die Teilnehmer anderer Konfession unter Druck zu setzen". Weiter soll es zu keinen „demonstrativen oder gar provokativen Aktionen" kommen. Nach katholischem Kirchenrecht dürfen weder katholische Priester das Abendmahl gemeinsam mit evangelischen Pfarrern zelebrieren, noch dürfen katholische Gläubige es aus der Hand von Geistlichen anderer Konfessionen empfangen.
Obwohl bei den ökumenischen Abendmahlsgottesdiensten die konfessionelle Trennung im eucharistischen Teil beibehalten werden soll, hatte das Berliner Erzbistum bereits unmittelbar nach Bekannt werden des Vorhabens scharfe Sanktionen gegen die katholischen Priester angekündigt, die sich hieran beteiligen.
15. Februar 2003 (Berlin-Brandenburgisches Sonntagsblatt - Die Kirche)
Die Abendmahlsrebellen
Wie aus der gemeinsamen Eucharistie eine höfliche Einladung wurde
Die Abendmahls-Rebellen im Prenzlauer Berg: Schon einige Monate vor dem Ökumenischen Kirchentag sorgen ihre Pläne für Aufsehen. Heinz-Otto Seidenschnur, Geschäftsführender Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer-Berg Nord, und Christian Weisner vom gemeinsamen „Arbeitskreis Ökumene“ der „Initiative Kirche von unten“ und der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ wollen während des Christentreffens Abendmahlsgottesdienste feiern – offen für alle getauften Christen. Benjamin Lassiwe hat sich nach dem Stand der Planungen erkundigt.
Herr Pfarrer Seidenschnur, Herr Weisner, Sie planen parallel zum Kirchentag Gottesdienste, bei denen jeder getaufte Christ das Abendmahl oder die Kommunion erhalten kann – und nicht nur Protestanten oder Katholiken im Gottesdienst ihrer eigenen Konfession. Wie kam es zu dieser Idee?
Weisner: Das Präsidium des Kirchentages hatte zu Beginn selber mehrfach geäußert, dass der Ökumenische Kirchentag untrennbar mit der Hoffnung auf Fortschritte beim gemeinsamen Abendmahl verbunden sei. Diese Sehnsucht ist auch im Kirchenvolk sehr groß. Da es aber auf Grund der restriktiven Haltung der römisch-katholischen Kirche nicht zu gemeinsamen Mahlfeiern auf dem Kirchentag kommen darf, werden wir ökumenische Mahlgottesdienste außerhalb des offiziellen Programms feiern. Bei diesen Gottesdiensten werden wir wechselseitige Gastfreundschaft praktizieren. Alle getauften Christen werden also ausdrücklich zum Abendmahl beziehungsweise zur Kommunion eingeladen. Als Reformbewegung in der katholischen Kirche sind wir, die „Initiative Kirche von unten“ und „Wir sind Kirche“, natürlich besonders traurig, dass das, was alle gehofft hatten, von den katholischen Bischöfen zurückgeschraubt wurde. Aber wir bedauern auch, dass die evangelische Seite in manchen Punkten vielleicht zu sehr auf die Katholiken eingegangen ist. Die Frage des Abendmahls wird zwar nicht über Erfolg oder Misserfolg des ersten Ökumenischen Kirchentages entscheiden, sie ist aber ein wichtiges Zeichen für die Glaubwürdigkeit von uns Christen.
Der Kirchentag soll Mut zeigen
Seidenschnur: Wir sehen uns als Teil unserer reformatorischen Kirche herausgefordert, gerade beim ersten ökumenischen Kirchentag die nach unserer Ordnung längst übliche
Praxis der eucharistischen Gastbereitschaft zu feiern. Mit unseren katholischen Partnern wollen wir uns in zwei Gottesdiensten gegenseitig die Gastbereitschaft erklären. Dabei wird jeder Gottesdienst entsprechend der Konfession des Predigers gestaltet und verantwortet. Selbstverständlich verstehen wir die katholischen Initiativen als Teile der katholischen Gesamtkirche, die die Meinung vieler Gläubigern vertritt. Wir sehen uns ermutigt durch offizielle Kirchentagsverlautbarungen, in denen es heißt, dass der Kirchentag gerade dadurch Mut zeigen und Mut machen will, dass neue Formen entwickelt, diskutiert und praktiziert werden.
Wie gehen Sie denn mit den Reaktionen der Amtskirche um? Berlins katholischer Bischof, Georg Kardinal Sterzinsky, hat erst vor kurzem beteiligten katholischen Priestern eine nicht geringe Strafe angedroht, und auch seitens der Evangelischen Landeskirche betrachtet man Ihre Pläne nicht gerade positiv.
Weisner: Als katholischer Christ bin ich sehr betrübt über diese Aussagen des Kardinals. Sie folgen dem Kirchenrecht, lassen aber die pastorale Praxis außer Acht. Noch besorgter bin ich, dass jetzt auf die Schnelle noch eine Enzyklika, also ein amtliches Lehrschreiben des Papstes, erstellt werden soll. Seit dem 1. Ökumenischen Pfingsttreffen 1971 in Augsburg haben sich doch beide Kirchen in der Abendmahlsfrage einander deutlich angenähert. Diese theologisch sehr gut begründete Annäherung darf jetzt nicht zunichte gemacht werden.
Seidenschnur: Diese theologische Annäherung möchten wir mit unserem Vorhaben praktisch fortsetzen. Das leitet uns auch in den vielen Gesprächen, die wir mit Propst Lütcke und unserem Superintendenten geführt haben. Ich sehe einen guten Weg des geschwisterlichen Gesprächs, auch wenn vieles in manchen Medien einseitig und leider oft auch falsch dargestellt worden ist. Unsere Landeskirche behandelt uns im Sinne der Verantwortung, die wir in der „Freiheit eines Christenmenschen“ wahrnehmen, ausgesprochen fair und gibt uns Besorgnisse und Fragen mit auf den Weg der Vorbereitungen. In den nächsten Wochen, so ist es verabredet worden, wird es eine gemeinsame Erklärung geben: Darin wird unser Vorhaben authentisch geschildert, darin werden aber auch die unterschiedlichen Sichtweisen in guter protestantischer Tradition dargestellt.
Besonders wichtig ist Ihnen der Begriff der eucharistischen Gastfreundschaft.
Weisner: Die eucharistische Gastfreundschaft ist das, was auch in vielen Gemeinden bereits seit langem praktiziert wird. Wenn ein Ehepaar, sie Katholikin und er Protestant, in einem evangelischen Gottesdienst zum Abendmahl geht, nutzt sie als Katholikin die in der Evangelischen Kirche bestehende eucharistische Gastfreundschaft.
Demut und Hoffnung
Seidenschnur: Denn das evangelische Abendmahl steht allen getauften Christinnen und Christen offen. Viele katholische Christen, die mit einem evangelischen Partner verheiratet sind, nehmen diese bisher nur einseitig ausgesprochene Einladung gern an; manche Ehepartner haben aber immer noch Angst. Wenn wir diesen ersten Schritt der gegenseitigen Öffnung am Tisch des Herrn, der Geber und Gabe des Mahls zugleich ist, auf dem Ökumenischen Kirchentag feiern, so tun wir dies in der Demut und Hoffnung zugleich, dass der Heilige Geist etwas in uns bewirkt, was stärker ist als unsere Angst.
Weisner: Wir werden keine Gottesdienste feiern, in dem zwei Pfarrer unterschiedlicher Konfession gemeinsam die Mahlliturgie halten, sondern haben uns ganz bewusst für konfessionelle Gottesdienste in der jeweiligen Tradition entschieden, jedoch mit der Einladung zum Abendmahl an alle getauften Christen.
Wie reagieren denn Ihre katholischen Nachbargemeinden auf diese Pläne, Herr Seidenschnur? Der Prenzlauer Berg ist ja ansonsten für eine lebendige und gut gewachsene ökumenische Zusammenarbeit bekannt.
Seidenschnur: Im ökumenischen Gemeindekonvent Prenzlauer Berg hat es neben der vielseitigen ökumenischen Praxis in den letzten Monaten eine Vertiefung der theologischen Gespräche gegeben, auch zu den Themen Abendmahl und Kirchenverständnis. Gleichzeitig haben wir aber auch verstanden, dass die katholischen Geistlichen hier vor Ort unseren Weg der gegenseitigen eucharistischen Gastbereitschaft nicht mitgehen können, weil ihnen die katholische Gemeinschaft auch in der Frage des Abendmahls wichtig ist. Hätte es allerdings Anzeichen eines Bruchs der bisherigen ökumenischen Beziehungen vor Ort gegeben, hätten wir dieses Gottesdienstvorhaben sofort gestoppt.
18.Februar 2003
Kirchenleitung toleriert Mahlfeier
Protestanten einig für Laientreffen / Katholiken sagen Nein
Evangelische Kirchengemeinden in Berlin haben sich im Streit mit ihrer Kirchenleitung über die geplanten gemeinsamen Abendmahlsfeiern von Katholiken und Protestanten beim Ökumenischen Kirchentag verständigt. Es solle einen evangelischen Gottesdienst und eine katholische Messe geben, bei denen die Gläubigen der jeweils anderen Konfession zur Teilnahme am Mahl eingeladen würden, hieß es.
FRANKFURT A. M., 17. Februar. Die evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg toleriert somit die Feiern in der evangelischen Gethsemanekirche während des ökumenischen Großereignisses Ende Mai in Berlin, wenn sie in der vereinbarten Form stattfinden. In einer gemeinsamen Erklärung von Gemeinde und Kirchenleitung wird betont, es werde keine „Interzelebration" - also keine gemeinsam von evangelischen und katholischen Priestern zelebrierte Feier - geben. Der evangelische Gottesdienst werde von den Protestanten, die katholische Messe von den „katholischen Partnern" verantwortet. Die Teilnehmer der jeweils anderen Konfession sollen zum Abendmahl beziehungsweise Eucharistie eingeladen werden.
Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche", die die Feiern mit organisiert, betonte, sie habe in der Frage des gemeinsamen Abendmahls keinerlei Rückzieher gemacht. Eine „Interzelebration" sei nie geplant gewesen, sagte ihr Sprecher Christian Weisner. Die evangelische Kirchenleitung habe die Feiern akzeptiert, nun sei die Frage, wie sich die katholische Kirche verhalte.
Doch hier liegt der Streitpunkt: Denn während bei evangelischen Gottesdiensten die Einladung an Christen anderer Konfessionen zum Abendmahl üblich ist, ist dies nach katholischem Verständnis nicht möglich. So begrüßt die Deutsche Bischofskonferenz zwar, dass es eine klare Absage an eine Interzelebration gebe. Die eucharistische Gastfreundschaft für Protestanten bei katholischen Gottesdiensten sei aber nach wie vor ausgeschlossen, sagte ein Sprecherin.
Der Berliner evangelische Bischof Wolfgang Huber hatte unlängst noch gemeinsame Abendmahlsfeiern abgelehnt, weil dadurch das Verhältnis der Konfessionen belastet werde. Der katholische Erzbischof von Berlin, Kardinal Georg Sterzinsky, hat katholischen Priestern sogar mit dem Entzug ihres Amtes gedroht, falls sie sich an solchen Feiern beteiligen.
(Wolfgang Wagner)
14. März 2003
MDR Info/ KulturTitel: Quo vadis Ökumene?
Autor: Wolfram Nagel
Es sind nur noch wenige Wochen bis zum ökumenischen Kirchentag in Berlin. Doch die Irritationen nehmen nicht ab. Dabei steht nacht wie vor die Frage nach einem gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken im Mittelpunkt, das von der innerkirchlichen Opposition befürwortet von den Kirchenleitungen jedoch abgelehnt wird. Unterschiede im Glauben verhinderten zur zeit noch eine offizielle gegenseitige Einladung, erklärte bspw. der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper. Eine ökumenische Eucharistiefeier auf dem Kirchentag sei daher falsch. Auch mehrere evangelischen Bischöfe schlossen sich aus Rücksicht auf ihren katholischen Partner dieser Kritik an. Für Gründonnerstag wird gar eine Enzyklika des Papstes zu diesem Thema erwartet. Das freilich hindert kirchenvolksbewegte Katholiken und Protestanten nicht, die gängige Kirchen- und Amtsauffassung weiter zu hinterfragen. Am vergangenen Wochenende traf sich „Wir sind Kirche" zur ihrer Bundesversammlung in Berlin. Das Motto „Quo vadis, Ökumene?".
Wolfram Nagel....
Von Aufbruchstimmung ist beim Kirchenvolk kaum noch etwas zu spüren. Die nach Berlin gereisten Vertreter der Reformbewegung "Wir sind Kirche sprechen gar von enttäuschten Erwartungen. In den Gemeinden können kaum jemand nachvollziehen, weshalb sich die Amtskirchen so vor einem gemeinsamen Abendmahl fürchten. Bspw. in den gemischkonfessionellen Gebieten Frankens sei das längst gängige Praxis, berichtet Sigrid Grabmeier aus Deggendorf in Bayern.
O-Ton Grabmeier: „Unsere Auffassung ist, dass Jesus einlädt.[.....] und gegenseitig einladen."
Doch gerade das werde von den Kirchenleitungen abgelehnt. Deshalb seien viele Christen frustriert und hätten es aufgegeben sich für ihre Gemeinde zu engagieren, sagt die Katholikin.
O-Ton S. Grabmeier: „Schuld an den Rückschritten ist nicht die Basis, der immer vorgeworfen wird, sie würde die falschen Zeichen zur falschen Zeit setzen, Schuld sind die alten Männer, die Angst haben, dass sie eigentlich auch an Einfluss verlieren, weil das Kirchenvolk anfängt, seine Wege selber zu gehen."
Gemessen an den großen Hoffungen der vergangenen Jahre, sei die derzeitige Situation der Ökumene denkbar schlecht, glaubt auch die Dresdner Katholikin Eva-Maria Kiklas. Sie vertritt die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche "im Präsidium des Ökumenischen Kirchentages.
O-Ton E. Kiklas: „Seit ich jetzt befasst bin mit diesem Thema durch den Kirchentag habe ich den Eindruck, dass Ökumene, ich sag's jetzt mal ganz ungeschminkt, von oben zurückgedreht wird. Es gibt aber tatsächliche so Erfahrungen, die befürchten lassen, dass Ökumene nicht mehr weiter getrieben werden soll...man hat Angst vor Verselbständigungen an der Basis."
Sie könne einfach nicht verstehen, weshalb angeblich unüberwindliche Unterschiede im Glauben das gemeinsame Abendmahl am Tisch des Herrn verhindern sollten, ja dass sie beschuldigt würden, ihre ökumenischen Bestrebungen zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort voran treiben.“
O-Ton E. Kiklas: „Wie will man Frieden in der Welt schaffen, wenn es also nicht einmal möglich ist, dass man sich gegenseitig Gastfreundschaft erweist, eines der ganz wesentlichen Grundlagen aller Kulturen und ein ganz hoch geschätzter Wert in vielen Religionen und Kulturen...man muss erst einmal selber demonstrieren, wie man Einheitlichkeit, Verständnis, Akzeptanz des anderen schafft in der eigenen Kirche, bevor man das von der Welt fordern kann."
Auch Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, versteht diese Ungeduld. Er selbst hatte geglaubt, dass nach Unterzeichnung der gemeinsamen Augsburger Erklärung zur Rechtfertigungslehre nur noch eine letzte Hürde zu überwinden sei, eine gegenseitige Anerkennung des Kircheseins und des Amtes. Diese grundsätzlichen kirchenrechtlichen und theologischen Unterschiede hätten sich jedoch als größtes und schwierigstes Hindernis erwiesen. Und weil es somit auch ein völlig unterschiedliches Sakramentsverständnis gebe, könne ein katholischer Priester einem Protestanten auch nicht die Kommunion spenden. Dies sei jedoch nicht das Ende der Ökumene betont Meyer.
O-Ton H.J. Meyer: „1999 war die gemeinsame Unterzeichnung der Erklärung zur Rechtfertigungslehre, ein ganz wichtiger Schritt,...gut, es ist nicht in diesem Tempo weiter gegangen, was viele 1999 gehofft haben, auch ich habe das gehofft, 96, als wir uns entschlossen zum ökumenischen Kirchentag, da gab es eine andere Perspektive, aber zur Ökumene gehört auch Geduld, Hartnäckigkeit, auch Gottvertrauen."
In Jahrhunderten gewachsene kirchenrechtliche und theologische Positionen ließen sich auch nicht durch einen ökumenischen Kirchentag außer Kraft setzten, sagt Meyer. Er halte deshalb auch nichts von spektakulären Aktionen. Dennoch sehe er kein Hindernis bspw. in einer gegenseitigen eucharistische Gastfreundschaft, wie sie in zwei Gottesdiensten gefeiert werden soll.
O-Ton H.J. Meyer: „Man möchte Gottesdienste durchführen, die sich in einer besonderen Weise auch den jeweils anderen Konfessionen öffnet. Das ist ein Ereignis am Rande des Ökumenischen Kirchentages und nicht Bestandteil des Ökumenischen Kirchentages und weist auf eine Wirklichkeit in unseren Gemeinden hin, die sicher auch für die Zukunft der Kirchen in Deutschland bedeutsam sein kann.“
Wolf-Miachel Catenhusen vom Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages bedauert den zeitweiligen Stillstand in der Ökumene. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete gehört allerdings nicht zu denjenigen, die vor sog. Alleingängen der kirchlichen Basis warnen.
O-Ton Catenhusen: „Man muss doch nüchtern sehen, dass seit den 60er Jahren an der Basis, in den Gemeinden vor Ort in einer Grauzone evangelische Christen längst zur katholischen Eucharistiefeier gehen und dass auch katholische Christen an evangelischen Abendmahlsgottesdiensten teilnehmen und das nicht nur in konfessionsverbindenden Ehen...wenn es nun darum geht..."
Catenhusen hält die bisherigen Reaktion der katholischen Amtskirche für überzogen, leuchte es doch schwer ein dass solche Praktiken auf der einen Seite stillschweigend toleriert würden, dass man aber aufgrund des öffentlichen Interesses so tue, als würden die Grundprinzipien der eigenen Kirche infrage gestellt. Allerdings könne man sich bei solch einem gemeinsamen Kirchentag nicht über die Tradition eines Partners, also der katholischen Amtskirche, hinwegsetzen.
O-Ton W-M Catenhusen: „Wir müssen nun feststellen, dass dieser Prozess von theologischen Lösungen von alten Konfliktstoffen in der Geschichte von evangelischer und katholischer Kirche noch nicht abgeschlossen ist, dass im Gegenteil die katholische Weltkirche eher mittlerweile auf die Bremse tritt. Und man muss natürlich auch sagen, die Frage von Kirchen- und Amtsverständnis, das sind die harten Fragen, bei denen wir jetzt stehen."
Und in dieser festgefahrenen Situation sei möglicherweise gerade dieser erste Ökumenische Kirchentag hilfreich. Denn außer der Abendmahlsfrage gebe es noch viele andere Themen, bspw. die Rolle der Kirchen in der säkularen Gesellschaft, der interreligiöse Dialog, der überkonfessionelle Religionsunterricht oder eine Weiternutzung der entstandenen ökumenischen Netzwerke nach dem Kirchentag.