27.4.2017 - Süddeutsche Zeitung

In der Neuscholastik verfangen

zu „Der zweite Papst“ vom 15./16./17. April:

Ist Joseph Ratzinger wirklich ein großer Theologe, wie viele meinen? Hat er wirklich Neues in die Theologie eingebracht, die Kirche für die Zukunft geöffnet? Oder ist er nicht bei den Kirchenvätern und der Neuscholastik stehen geblieben? Den unter ihm 1992 veröffentlichten „Weltkatechismus“ hat er 2005 als Papst inhaltlich unverändert als „Kompendium des Katechismus“ herausgegeben. Das Buch entspricht in keiner Weise dem Stand der heutigen Theologie, der Exegese und der theologischen Ethik. Und manche bezweifeln, ob er die Aufklärung, die er so heftig kritisierte, überhaupt in ihrer ganzen Dimension richtig verstanden hat. Was wird von Ratzinger/Benedikt außer seinen unzähligen Schriften in Erinnerung bleiben? Am Ende vielleicht nur sein Eingeständnis, dem Papstamt doch nicht gewachsen gewesen zu sein. Das war mutig und ist anerkennenswert. Noch besser wäre es gewesen, wenn er auch in den Kardinalstand zurückgetreten wäre und die weiße Soutane abgelegt hätte.

Christian Weisner, Dachau

http://www.sueddeutsche.de/kolumne/weitere-briefe-papst-und-kinder-1.3479197

Zuletzt geändert am 27­.04.2017