Kirchenreformtreffen in Österreich

Preisverleihung „Trompete von Jericho“ und Kirchenvolkskonferenz zur Ämterfrage

Deutschsprachiges Kirchenreformtreffen in Österreich beendet
Wir sind Kirche-Pressemitteilung, Enns/Österreich, 20. Oktober 2026

Mit knapp 100 Teilnehmenden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz fand am 16. und 17. Oktober 2026 das Wochenende der Kirchenreform zum zweiten Mal in Enns bei Linz statt.

Die österreichischen Kirchenreformbewegungen vergaben am 16. Oktober zum sechsten Mal den Preis „Trompete von Jericho“, der Menschen auszeichnet, „die gegen nicht mehr zeitgemäße kirchliche Regeln aufstehen.“ Die diesjährigen Preise, die die Ebenbürtigkeit von Frauen und Männern im Hinblick auf die kirchlichen Ämter betonen, gingen an die deutsche Ordensschwester Philippa Rath OSB von der Hildegard-Abtei in Rüdesheim-Eibingen sowie an Theologiestudentinnen der Universität Freiburg/Breisgau, die sich um Aufnahme ins dortige Priesterseminar beworben hatten.

Am 17. Oktober fand die diesjährige Tagung der österreichischen Kirchenreformgruppen unter dem Titel „Priesteramt neu denken und gestalten“ statt. Nach dem Referat des Dortmunder Systematikers Prof. Thomas Ruster tauschten sich Mitglieder von Wir sind Kirche, Pfarrer-Initiative, Laieninitiative und Priester ohne Amt sowie der Pfarre Enns – St. Laurenz mit den Gästen aus Deutschland und der Schweiz über eine evangeliumsgemäße und zukunftsfähige Gestalt des Priesteramtes aus. Eine gemeinsame Eucharistiefeier – alle im Kreis um den gleichen Tisch und das gleiche Wort versammelt – schloss das sehr gelungene Treffen der österreichischen Kirchenreformbewegungen ab.

Preisverleihung „Trompete von Jericho“ (16. Oktober 2026)

Sr. Philippa Rath OSB setzt sich seit Jahren entschieden dafür ein, dass die kirchlichen Weiheämter für Frauen geöffnet werden. Ihre Bücher „>… weil Gott es so will“<. Frauen erzählen von ihrer Berufung zur Diakonin und Priesterin“ und „Frauen ins Amt. Männer der Kirche solidarisieren sich“ brachten der „Frauenfrage“ in der Kirche viel Aufmerksamkeit. Auch im Synodalen Weg in Deutschland und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken setzt sich Sr. Philippa für die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche ein. P. Andreas Batlogg SJ (früher München, jetzt Wien) hielt die Laudatio und dankte Sr. Philippa dafür, dass sie ihre Stimme immer wieder erhebt „ob gelegen oder ungelegen“ und dass sie damit viele persönliche „Lernwege“ anstoße.

Die elf Theologiestudentinnen, von denen drei anwesend waren und den Preis stellvertretend für alle entgegennahmen, bewarben sich im Frühjahr 2025 offiziell um Aufnahme ins dortige Priesterseminar (www.meingottdiskriminiertnicht.de). Sie zeigten damit öffentlich, dass sie sich zum Priestertum berufen fühlen und in der katholischen Kirche Priesterinnen werden wollen. Ihre Bewerbung ins Priesterseminar und die folgende Ablehnung ihrer Bewerbung, die allerdings mit mehreren Gesprächen und deutlich gezeigter Wertschätzung durch den zuständigen Regens (den jetzigen Bischof von Eichstätt Dr. Dr. Christian Würtz) einherging, fanden ein großes mediales Echo. Die Laudatio für die Theologiestudentinnen hielt Monika Schmid (Schweiz). Sie verknüpfte die Geschichte der Studentinnen auch mit ihren eigenen Erfahrungen als Seelsorgerin und dankte den Studentinnen merklich gerührt für ihren Mut, mit dem sie gegen die geltende Ungerechtigkeit aufgestanden seien.

Generationenübergreifende Preisträgerinnen

Besonders beeindruckt zeigten sich viele Gäste vom generationenübergreifenden Aspekt des Abends: Auf der einen Seite war da mit Sr. Philippa Rath eine langjährige Vorkämpferin für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche und auf der anderen Seite waren da junge Studentinnen, die den Ball bewusst aufnehmen, für die Arbeit der Vorkämpfer:innen explizit danken und nun mit eigenen Akzenten weiterspielen. Ganz in diesem Sinn brachte Sr. Philippa Rath den anwesenden Studentinnen gegenüber auch ihren sehr persönlichen Dank zum Ausdruck.

Bisherige Preisträger:innen sind Doris Reisinger, Josef Pampalk, Jens Ehebrecht-Zumsande und die Initiative „#Out in Church – Für eine Kirche ohne Angst“, Monika Schmid, Martin Lintner OSM und David Steindl-Rast OSB.

Kirchenvolkskonferenz zur Neugestaltung kirchlicher Ämter (17. Oktober 2026)

Der von Helmut Schüller (Pfarrer in Probstdorf und Sprecher der Pfarrer-Initiative) moderierte Studientag stand unter dem Zeichen der theologischen Auseinandersetzung mit dem Priesteramt. Der emeritierte Dogmatiker Thomas Ruster (Dortmund) schloss zu Beginn seines Referates provokant an den Vorabend an, indem er festhielt, dass es mit der Frauenweihe an sich noch nicht getan wäre, sondern dass es viel grundsätzlicher eine Weiterentwicklung des Priesteramtes überhaupt brauche, das in seiner gegenwärtigen Gestalt ja auf das Mittelalter zurückgehe. Insbesondere verwies er darauf, dass das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) nahe daran war, das Amt in der Kirche ganz neu zu konzipieren. Den für das Konzil so wichtigen Begriff der „communio“ deutet Ruster im Sinne von „com-munio“ als „Gemeinsame Teilhabe an den Munera/Ämtern“ und bezieht sich dabei auf die Taufe, die eigentlich eine Amtseinführung sei und den getauften Menschen zum königlichen, priesterlichen und prophetischen Amt befähige.

Ruster plädiert dafür, die drei Ämter nicht in einer Person zu vereinen, weil sie nicht nur einander ergänzen, sondern auch einander begrenzen. Daher empfiehlt er, dass jede Gemeinde dem Bischof drei Menschen vorschlägt (= Kirche als Gemeinschaft der Berufenen), die dieser dann für die drei Ämter (auf Zeit) ordiniert/weiht. Rusters Thesen auf der Basis seines 2019 veröffentlichten Buches „Balance of Powers. Für eine Neugestaltung des kirchlichen Amtes“ wurden in Kleingruppen und im Plenum intensiv diskutiert.

Am Nachmittag brachten Kurzreferate mutmachende und zukunftsweisende Praxisberichte aus Pfarren, in denen Seelsorge und christliche Gemeinde schon lange ohne Pfarrer im klassischen Sinn gut funktionieren: Brigitte Knell (langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin in einer Wiener Pfarre), Harald Prinz (Vertreter der gastgebenden Pfarrgemeinde), Renate Bachinger (Seelsorgerin in der oö. Pfarrgemeinde Eberschwang) und Hans-Peter Premur (Pfarrer in Krumpendorf, Hochschulseelsorger und Bischofsvikar sowie Vorstandsmitglied der Pfarrer-Initiative).

In der abschließenden Plenumsdiskussion, in die sich auch Dogmatiker Ruster aktiv einbrachte, zeigte sich abermals ein intensives und spannendes Ringen um die Frage nach einer Weiterentwicklung und Neugestaltung des kirchlichen Amtes.

Den Rahmen für das Kirchenreformtreffen im Pfarrzentrum Enns – St. Laurenz bot die Fotoausstellung der Frauenkommission der Diözese Linz „Die Kirche ist weiblich“. Bilder von Frauen in vielen unterschiedlichen kirchlichen Tätigkeiten zeigen, wie sehr Frauen Kirche auch jetzt schon prägen. Dass es höchst an der Zeit ist, nun auch die Weiheämter für Frauen zu öffnen, darüber waren sich in Enns alle einig.

Kirchenreform.at ist der Zusammenschluss der österreichischen Kirchenreformbewegungen Laieninitiative, Pfarrerinitiative, Priester ohne Amt und Wir sind Kirche.  
kirchenreform.at ist die gemeinsame neugestaltete Webseite mit täglich einem neuen Artikel zu Kirche und Kirchenreform.

Foto von der Preisverleihung zur freien Verwendung, bitte Judith Knell als Quelle angeben
www.wir-sind-kirche.at/artikel/die-trompete-2026-ist-verliehen/

Foto vom Studientag zur freien Verwendung, bitte Judith Knell als Quelle angeben
www.wir-sind-kirche.at/artikel/priesteramt-neu-denken/

Weitere Fotos stellen wir auf Anfrage gerne kostenfrei zur Verfügung.

Pressekontakt:

Dr. Harald Prinz, Plattform Wir sind Kirche Österreich
Tel. +43 676 8776 5889   harald.prinz@dioezese-linz.at

Christian Weisner, Wir sind Kirche Deutschland
+49 172-518 40 82   weisner@wir-sind-kirche.de

Zuletzt geändert am 20­.10.2026