Herausragende Dienerin und Missionarin der Kirche

Nachruf auf Ludmila Javorova (1932-2026), tschechische römisch-katholische Untergrundpriesterin

Wir sind Kirche ist voller Hochachtung für die Lebensleistung von Ludmila Javorova, die am17. September 2026 im Alter von 94 Jahren in einem Hospiz bei Brünn verstorben ist. Ihre herausragende Lebensleistung als Dienerin und Missionarin der Kirche sollte zumindest posthum vom Vatikan anerkannt werden.

Ludmila Javorova schrieb Kirchengeschichte, denn sie wurde am 27. Dezember 1970 von Bischof Felix Maria Davidek nach geheimen synodalen Prozessen zur Priesterin geweiht, um eine nach außen nicht zu erkennende Seelsorge besonders bei inhaftierten Ordensfrauen und anderen weiblichen Gefangenen zu gewährleisten. Bischof Davidek hatte mit der Anerkennung der Berufung von Frauen und verheirateten Männern die pastorale Not erkannt. Ludmila gehörte seit 1964 zu seinem engsten Mitarbeiterinnenkreis, sie wirkte mit am Aufbau der Untergrundgemeinschaft „Koinotes“ und hatte für 20 Jahre unter schwierigen Umständen das Amt einer Generalvikarin inne, immer in der Gefahr, von der Geheimpolizei entdeckt zu werden.

Nach der Wende hat sie den Vatikan über die Umstände ihrer Weihe informiert, der ihr 1996 offiziell mitteilte, ihre Weihe sei nie gültig gewesen.

Ludmila blieb Mitglied der römisch-katholischen Kirche und war u. a. als Religionslehrerin tätig. Bis zu ihrem Lebensende glaubte sie zum priesterlichen Dienst berufen und wirksam geweiht worden zu sein. Maria-von-Magdala-Frauen haben ihr einen Gedenkstein im Frauen-Gedenk-Labyrint von Dagmar von Garnier gelegt, auf dem ihr Name und „röm.-kath. Priesterin“ steht. Als ich (Angelika Fromm) Ludmila Javorova bei einem Besuch ein Foto davon zeigte, hat sie gesagt: “Röm.-kath. Priesterin solle auch auf ihrem Grabstein stehen“.

1995 hatte sich Ludmila Javorova erstmals öffentlich geoutet und ist seither für viele röm.-kath. Frauen, die sich berufen fühlen, aber nach dem Kirchenrecht nicht geweiht werden können, zum mutigen Hoffnungszeichen geworden, dass auch der Vatikan endlich die „Zeichen der Zeit“ erkennen müsse.

2011 erhielt Ludmila Javorova mit anderen Betroffenen der „Koinotes“ den Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche. Bei diesem Anlass sagte sie u.a.:“ Die Gotteserwählung hängt von keiner menschlichen Bewertung ab, sie kann sogar manchmal eine skandalöse Wirkung haben“. Möge ihr posthum endlich Anerkennung gezollt werden! Es wäre eine humane Geste, wenn der Vatikan ihr Priesteramt wenigstens nach ihrem Tod anerkennen würde. Damit würde ihr Herzenswunsch erfüllt werden.

Ihre Biographie, leider nicht auf deutsch erschienen, kann nachgelesen werden: Miriam Therese Winter "Out of the depths"

 

Presskontakt

Angelika Fromm, Wir sind Kirche "Aktion Lila Stola", E-Mail mariafromm@googlemail.com

Christian Weisner, Wir sind Kirche Bundesteam, Tel: 0172 5184082, E-Mail: presse@wir-sind-kirche.de   

 

Zuletzt geändert am 21­.09.2026